Kleinod aus dem Kuhstall

Nina Will gibt ausrangierten Möbeln ein neues Gesicht – und oft ein neues Leben

Nina Will, Etwashausen, Shabby Vintage trifft Antik in Kitzingen
© Bericht / Fotos: Diana Fuchs;

Nina Will hat ein Lebensmotto: „Mache das, was dich glücklich macht. Lebe für das, was dich glücklich macht.“ Neben ihrer Familie sind das alte Möbel, die sie vor dem Sperrmüll oder vorm Verstauben auf dem Speicher rettet. Die 38-Jährige restauriert sie liebevoll und stellt sie dann in ihren Laden in Etwashausen, der jeden ersten Samstag im Monat öffnet. Dort, in einem ehemaligen Kuhstall – ganz in der Nähe des Bartelsturms – finden viele Kommoden und Sekretäre, Apothekerschränke, Tische und Stühle einen Liebhaber – und damit ein neues Leben.

Von Beruf ist Nina Will Krankenpflegerin. Bis zur Geburt ihrer Tochter Merle, die mittlerweile drei Jahre alt ist, hat sie in einer Sozialstation gearbeitet und alte Menschen betreut. „Das Helfen, das liegt mir einfach, das ist mein Ding“, sagt die Tochter der Albertshöfer Kräuterfachfrau Gerda Will.

Kranke Menschen pflegt man gesund. Und kranke Möbel? Die werfen die meisten einfach weg. „Mir tut diese Mentalität im Herzen weh“, sagt Nina Will. „Ich hasse dieses 'Aus den Augen, aus dem Sinn...'“ Den wurmstichigen Sekretär am Straßenrand, den alten Bauernschrank, dem ein Fuß fehlt, die Oberlichter aus der Kitzinger Brauerei „Bürgerbräu“ – sie alle überlässt die Etwashäuserin nicht einfach ihrem Schicksal, sondern schleppt sie nach Hause, untersucht sie, schleift sie ab, streicht sie neu. Sie repariert und restauriert – die Techniken dafür hat sie sich selbst beigebracht.

„Ich möchte einfach, dass die Dinge wieder verwendet werden. Ich finde den Gedanken schön, dass sie weiter genutzt statt zerstört werden oder im Keller vergammeln.“

Beispiel „Goldener Löwe“, Kitzingen. Das historische Gasthaus ist vergangenes Jahr nach langen Querelen abgerissen worden. Kurz vorher hat Nina Will sich die Erlaubnis von den Besitzern geholt, einige alte Gegenstände zu retten, unter anderem Porzellan- und Emaille-Geschirr. Nina zeigt auf einen weißen Krug mit blauer Aufschrift „Goldener Löwe“: „Diese alte Kanne hat zwar keinen Henkel mehr, aber irgendwie hat sie trotzdem was.“ Ein 2,75 Meter langer Tisch steht mittlerweile in einem Heidelberger Architektenhaus, erzählt sie weiter.

Auch in der „Bürgerbräu“ fand die einstige Gärtnerkönigin kurz vor dem Teilabriss Dinge, die sie „Schätze“ nennt. Eine alte Waschkommode zum Beispiel. Und historische Fenster. „Die habe ich mitgenommen und aufpoliert. Sie haben in der Nähe von Mannheim neue Besitzer gefunden.“ „Immer, wenn wir losziehen, fühlen wir uns wie echte Schatzsucher.“ Nina Will, Antiquitäten-Fan

Gerade ausgefallene, nicht alltägliche Gegenstände haben für die Etwashäuserin besonderen Wert. „Ich kenne zwei Schrotthändler, die genau wissen, dass ich besondere Sachen suche. Die beiden sagen mir immer Bescheid, wenn sie etwas sehen.“ Nina und ihr Mann Norbert sowie Jochen Halbleib, der Nina beim Restaurieren hilft, fahren gegebenenfalls auch mal weite Strecken, um zum Beispiel einen historischen Apothekerschrank abzuholen oder einen Louis-Seize-Tisch aus dem Jahr 1860.

Einen Sekretär aus dem Jahr 1880 hat das Team aus einem Stall im Landkreis Main-Spessart gerettet, wo das gute Stück jahrelang vor sich hin moderte. „Manchmal sehen wir auch online etwas Interessantes. Immer, wenn wir losziehen, fühlen wir uns wie echte Schatzsucher“, erzählt Nina lachend. „Oft werden wir tatsächlich fündig.“

Schon als Nina noch ein Mädchen war, gab es für sie nichts Prickelnderes, als bei der Oma in Albertshofen auf den Dachboden zu klettern und dort herumzustöbern. „Das war jedes Mal faszinierend.“ Heute hat es ihr besonders der aktuelle „Shabby-Chic“ angetan. Der „schäbige Schick“ ist eine gekonnte Mischung aus Flohmarkt-Schnäppchen und wertvollen Erbstücken, bei denen der Lack ruhig abplatzen darf. In Nina Wills Esszimmer trifft Shabby-Chic auf den seit Jahren trendigen Vintage-Style. Helle Holzmöbel und Accessoires in Naturfarben wie Weiß, Creme und Beige sorgen für eine freundliche Atmosphäre.

„Alt und Neu kann man prima kombinieren“, findet die Etwashäuserin und deutet auf einen ebenso riesigen wie uralten Kerzenständer aus Holz, neben dem ein moderner Metallengel glänzt. „Bei den Menschen harmonieren Jung und Alt ja oft auch. Warum nicht bei Gegenständen?“

Wer einen Blick in Ninas Laden wirft, versteht, dass die Frage nur rhetorisch gemeint sein kann. In dem ehemaligen Kuhstall, den Nina und ihr Mann Norbert vor drei Jahren ausgeräumt, gesäubert und geweißt haben, ziehen viele alte Möbel die Blicke auf sich, aber auch neue Accessoires – von trendigen Blumenkissen bis zu Herzanhängern. „Hier lebt alles miteinander“, sagt Nina Will. „Das finde ich schön, hier fühle ich mich wohl.“

Vintage-Sommerfest: Nina Will und Thorsten Ellmauer laden am Samstag, 2. Juli 2016, zum „Vintage-Erlebnis“ in der Oberen Neuen Gasse 2 in Etwashausen (Nähe Bartelsturm) ein. Von 9 bis 20 Uhr gibt es Gegrilltes, Getränke, Kaffee, Kuchen, Musik und natürlich Tipps und Tricks rund um die Wohnungsgestaltung. Der Erlös des Tages geht an die Kinderkrebsstation Regenbogen beziehungsweise an Thorsten „Otto“ Ellmauers Stiftung zugunsten krebskranker Kinder. Letztere hat kürzlich schon 420 Euro von Nina Will erhalten – aus dem Kuchenverkauf im April.

Quelle / Bericht: Diana Fuchs, Die Kitzinger;
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